Anja Mayer

Der Unternehmergeist

Anja Mayer
Der Unternehmergeist

Einblicke: Rudolf Sallinger „Der Mann, der den Mittelstand zum Gesetz politischen Handelns machte."

Am 1. Juli 1982 beschloss der österreichische Nationalrat „Maßnahmen zur Leistungssteigerung kleiner und mittlerer Unternehmungen der gewerblichen Wirtschaft“. Dieses Gesetz wurde zu einem Zeitpunkt beschlossen, in dem die SPÖ noch die absolute Mehrheit besaß. Die Initiative zu diesem Gesetz ging vom Österreichischen Wirtschaftsbund (ÖWB), eine Teilorganisation der damals in Opposition befindlichen Österreichischen Volkspartei aus. Das Gesetz konnte nur wurde des mittelständischen Unternehmers Ing. Rudolf Sallinger durchgesetzt werden.

In seiner Antrittsrede zum Präsidenten der Bundeskammer 1964 forderte er den „Mut zu klaren Entscheidungen“ und wies darauf hin, dass er trotz seiner bereits fünfzehnjährigen Tätigkeit als Funktionär in der Kammerorganisation sehr bemüht war, die Verbindung zu seinem Betrieb nicht zu verlieren. Laut Sallinger schärft der tägliche Kontakt mit dem lebendigen Organismus des Betriebes den Blick für die wesentlichen Anliegen der Unternehmer. Mehrmals wies Sallinger auf die Wichtigkeit der Klein- und Mittelbetriebe hin. Die ÖVP-Regierung (1966) anerkannte die Bedeutung der Klein- und Mittelbetriebe für das Funktionieren einer Marktwirtschaftlichen Ordnung und setzte marktkonforme Maßnahmen zur Stärkung der Position dieser Betriebe. In der mit Beginn der siebziger Jahre grundlegend veränderten politischen Landschaft betrieb zwar die Kammerorganisation weiterhin klassische Mittelstandpolitik, indem sie für Hilfestellung sorgte.

Von Seiten der Regierung gab es keine mittelstandspolitischen Initiativen, im Gegenteil, es kam zur Benachteiligung und zu ständigen Mehrbelastungen der Klein- und Mittelbetriebe. Sallinger ließ sich jedoch nicht entmutigen. Er erkannte die Chance, ein für die Klein- und Mittelbetriebe günstiges Meinungsklima zu schaffen. Am 26. Mai 1977 startete Sallinger unter dem Motto „Mittelstand- Motor der Gesellschaft“ seine „Mittelstandoffensive“. Sallinger wurde zum Wortführer einer Gesellschaft in der die „Mehrheit der Menschen auf Grund ihres sozialen Prestiges, ihrer Ausbildung und ihrer Verantwortung eine mittlere Position“ einnimmt. Dank dem Einsatz von Sallinger beauftragte die Generalversammlung die Arbeitsgemeinschaft der National- und Bundesräte des ÖWB, ein Mittelstandsförderungsgesetz auszuarbeiten. Der Entwurf sah die Gleichbehandlung privater und öffentlicher Unternehmer und die Förderung der Gründung und Übernahme von Betrieben vor.

Bei öffentlichen Aufträgen sollten auch Klein- und Mittelbetriebe mehr zum Zug kommen etc. Mehrere Aktionen und Events lenkten das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die mittelständische Wirtschaft und ihre dem Wohl des Volkes dienenden Leistungen. Im Herbst 1979 startete der ÖWB die „Aktion Mittelstand“, bei der 5.000 Unternehmen von Funktionären des ÖWB besucht und über ihre Probleme befragt wurden. Das Ergebnis war eine Statusanalyse der österreichischen Klein- und Mittelbetriebe, die bereits ein Modell eines Mittelstandberichtes darstellte. Noch ließ sich die parlamentarische Mehrheit nicht beeindrucken. Die Mittelstandsoffensive war jedoch keine kurzatmige. 

Der Mittelstand als „Motor der Gesellschaft“ war ein Thema, das nicht mehr von der Tagesordnung abzusetzen war. Die Abgeordneten des ÖWB brachten in der neuen Gesetzgebungsperiode erneut den Initiativantrag für ein Mittelstandsgesetz ein. Sallinger wiederholte als Abgeordneter zum NR immer wieder, dass es keineswegs darum gehe, „alte Strukturen einzubetonieren, sondern im Rahmen einer erfolgreichen Wachstumspolitik die Leistungsreserven der kleinen und mittleren Betriebe zu mobilisieren“. Bei der Generalversammlung des ÖWB 1981 konnte Sallinger dann berichten, dass nun über das Mittelstandsgesetz in den zuständigen Parlamentsausschüssen ernsthaft verhandelt wird.

Am 1. Juli 1982 wurde dank dem Einsatz des ÖWB und Rudolf Sallingers das Mittelstandsgesetz dann auch vom Plenum des Nationalrats beschlossen. Für Rudolf Sallinger war das auch ein Erfolg aus persönlichen Gründen, da er die Freuden und Leiden dieses Berufstandes kannte. Die Österreicher wissen heute, dass die mittelständische Wirtschaft Problemlöser und nicht Problemverursacher ist.